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Die Falle mit dem Ekel von einem Chef

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Die Falle mit dem Ekel von einem Chef

Florian Heigl Florian Heigl vor 6 Jahren
5 Minuten zum Lesen

Viele von uns haben sich irgendwann im Leben schon einmal über einen schwierigen Vorgesetzten beschwert.  Es geht dabei um Vorgesetzte, die keiner mag; ihre bloße Existenz scheint wie Gift zu sein, das Teams, Projekte und ganze Unternehmen infiltriert und durchdringt.

Diejenigen unter uns, die ein solches Ekel von Chef haben oder hatten, verringern durch ihre negative Einschätzung ihre Chance, selbst Verantwortung für die Beziehung zu übernehmen.  Wir glauben, diese Menschen sind im Unrecht und sollten sich anders verhalten.  Immerhin sind sie unsere Vorgesetzten und sollten demnach eine Vorbildfunktion haben.

Wir erhalten auch Bestätigung von Seiten unserer Arbeitskollegen, wie sehr dieser Vorgesetzte fehl an seinem Platz ist, doch das hilft keinem weiter.  Bestenfalls unternehmen wir einen halbherzigen Versuch, mit ihm in Beziehung zu treten, doch normalerweise geben wir das viel zu schnell wieder auf.

Ich habe während meiner 18-jährigen beruflichen Laufbahn als Angestellter vier schwierige Vorgesetzte gehabt.  Bei den ersten dreien traf ich immer die falsche Wahl – ich ging ihnen, so gut es nur ging, aus dem Weg, ich beschwerte mich laufend über sie und genoss die Bekräftigungen meiner Arbeitskollegen, dass ich doch so sehr recht hatte und der Chef so unrecht. Mein Verhalten trug in keinster Weise zu einer Verbesserung meiner eigenen Situation bei und half auch den anderen Mitarbeitern der Firma nicht weiter.  Ganz im Gegenteil.

Die ersten beiden Male, als ich es mit einem schwierigen Vorgesetzten zu tun hatte, kündigte ich aus lauter Wut meine Arbeitsstelle. Beim dritten Mal führte meine scharfe, negative Kritik an meinem dritten schwierigen Vorgesetzten dazu, dass ich gefeuert wurde!

Das vierte Mal machte ich es endlich richtig.  Jener Vorgesetzte war wohl das größte „Ekel“ von ihnen allen. Sein Modus Operandi bestand darin, gut auszusehen, doch nicht unbedingt Gutes zu tun.  Er behandelte andere Menschen grob und oft respektlos.  Doch ich weigerte mich, in die Falle dieses „Ekels von einem Chef“ zu laufen.  Ich entschied mich, ihn mit Würde und Respekt zu behandeln, was ich ansonsten immer Menschen vorbehalten hatte, die ich mochte.

[blockquote cite = ‚Oprah Winfrey‘ align = ‚right‘]Ich wünschte mir, die Menschen wären offener und toleranter. Ich wünschte mir, sie wüssten, dass sich hinter jedem Fremden eine Geschichte verbirgt, die unser gemeinsamer Nenner ist – denn wir alle erleben dasselbe Menschsein: den Schmerz, die Traurigkeit, die Trauer, die Sehnsucht nach Liebe und dann auch, dank Hoffnung und Hilfe, schrittweise Erfolge.[/blockquote]Mein Team und ich hatten in den folgenden zwei Jahren, in denen wir unter seiner Führung arbeiteten, eine gute Beziehung zu ihm.  Wir weigerten uns, Opfer seines ungewöhnlichen Verhaltens zu werden.  Wir kamen regelmäßig zusammen, um zu besprechen, was wir als Team tun konnten, um unsere 100%-ige Selbstverpflichtung zu erfüllen, von uns aus eine gute Beziehung mit ihm aufzubauen und aufrecht zu erhalten.  Obgleich jeder außenstehende Betrachter zustimmen würde, dass sich dieser Mensch während der zwei Jahre unserer Zusammenarbeit nicht sonderlich änderte, half unser 100%-iges Engagement in Bezug auf unsere Beziehung zu ihm dennoch, ihn und unser Unternehmen effektiver zu unterstützen.  Wenn ich auf diese Erfahrung zurückblicke, sehe ich keinen einzigen Menschen außerhalb unseres Teams, der genauso bereit und fähig gewesen wäre, 100% Verantwortung für eine Beziehung mit ihm zu übernehmen.

Zu der Zeit bestand mein Team aus sechs Personen. Fünf von uns wurden nach unserer Arbeit mit diesem schwierigen Vorgesetzten befördert.  Allen fünf von uns wurde gesagt, dass unsere Fähigkeit, mit diesem schwierigen Menschen zusammenzuarbeiten, nicht nur für sich genommen wichtig war, sondern uns auch die Möglichkeit gegeben hatte, unsere besonderen Fähigkeiten zu demonstrieren und aus den richtigen Gründen Anerkennung zu erfahren.  Im Endeffekt brachte uns unsere 100%-ige Verantwortungsübernahme in Bezug auf unser „Ekel von einem Chef“ also bedeutende Beförderungen ein. Meine Beziehung zu meinen ersten drei schwierigen Vorgesetzten (oder, besser gesagt, ihr Fehlen) ist mir heute noch, 25 Jahre später, peinlich.

Ich hoffe, dass Sie nicht dieselben Fehler machen und dass Sie sich stattdessen auf die Art von Beziehung einlassen werden, die ich zusammen mit meinem Team mit dem Vorgesetzten Nummer Vier hatte.

Wenn Sie 100% Verantwortung für Ihre beruflichen Beziehungen übernehmen, werden Sie in der Lage sein, Ihren Kunden, Ihrem Team, Ihrem Vorgesetzten und Ihrem Unternehmen auf die bestmögliche Weise zu dienen.

Sie wissen bereits, dass jedes Problem, das Sie mit einem Ihrer Mitmenschen haben, weniger mit dem anderen Menschen zu tun hat als vielmehr mit Ihren tiefverwurzelten Erwartungen an diesen Menschen.  Diese Erwartungen treten beim 100/0-Prinzip zu Tage, wo die „0“ keine Ausnahmen zulässt.

Im Verhältnis zu jedem Menschen, mit dem Sie es zu tun haben – von Familienmitgliedern über Freunde und Arbeitskollegen bis hin zu entfernteren Verwandten – sind Bewusstsein und Wahl extrem wichtig.  Wir müssen uns unserer vorgefassten Meinungen, unserer Emotionen und unserer Erwartungen bewusst sein, und dann müssen wir bewusst eine Wahl treffen, wie wir mit Würde und Güte handeln können.
Schließlich müssen wir voll und ganz die „0“ annehmen und dürfen keine Gegenleistung erwarten.

Normalerweise wird die andere Person positiv reagieren, doch manchmal kommt es tatsächlich vor, dass nichts zurück kommt.  Das ist in Ordnung so.  Sie verlieren ja nichts dadurch.  Ihre Würde und Güte haben Ihnen, Ihrem Team oder Ihrer Familie und Ihrem Unternehmen höchstwahrscheinlich dennoch geholfen, auch wenn es zumindest anfangs nicht völlig offensichtlich sein mag.

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5 Kommentare

  1. Isolde Kühn 12. Juli 2013

    Jede Verurteilung anderer versteckt nur eine meist unbewuste Selbstverurteilung.Es ist der Spiegel.

    Antworten
  2. Gabriel 12. Juli 2013

    BINGO – genau so geht’s und es kann gar nicht oft genug gesagt werden… 😉

    Antworten
  3. Gabriel 12. Juli 2013

    Im Sinne von Jesus Christ‘ wertvollen Rat und Hinweis „LIEBET EURE FEINDE“ habe ich schon lange entschieden jenen – in Wahrheit doch bedauernswerten – Menschen am meisten Verstaendnis, Verzeihen und letztlich Liebe entgegenzubringen, die mich am groebsten und mitunter auch unflaetig behandeln. Macht man das tatsaechlich und kommt es auch aus dem Herzen, erkennt man dann zu seiner groessten Freude, dass der vermeintliche Feind gar nie existiert hat…

    Jesus Christ war unter anderem auch ein sehr „schlauer Fuchs“ und er wusste ganz genau, dass wir unsere Feinde nur mit unserer Vorstellungskraft erschaffen, womit wir aber auch genauso gut aufhoeren koennen, sollten wir von unserer selten praktischen Kreation von „Feind“ endgueltig genug haben. Die meisten Menschen haben keine Ahnung, was sie alles verpassen, wenn sie Bruder Jesus nicht aufmerksam zuhoeren und folgen!

    Das wollte ich hier noch gerne hinzufuegen…

    Antworten
  4. Dorothee Linder 12. Juli 2013

    Ich habe vor einem Monat gleich 2 Stellen gleichzeitig gekünigt,eine als Haushaltshilfe wo ich über 5 Jahre gearbeitet habe,und die andere war meine Stelle die ich von meinem Arbeitgeber einem Pflegedienst bekommen habe,da habe ich 9 Monate eine Psychisch kranke alte Frau als Psychologische Betreuerin und Hilfe betreut .Bei beiden stellen wurde ich häufig unter Druck gesetzt , Zeitlich ein Arbeitspensum zu schaffen ,was nicht machbar war,ich wurde systematisch für die Zwecke meiner Kunden ausgenutzt und ich wurde persönlich Beleidigt,aufgrund der schlechten selische verfassung meiner kunden und ich wurde auch von angehörigen unfreundlich behandelt.Die Klärung dieser konflikte ist so eskaliert das meine Kunden gelogen haben, ich wurde abgewertet für meine jahrelange Tätigkeit wurde mir in keiner weise gedankt.Die Seelische Belastung war für mich nicht tragbar so das ich mich endschied auf eine für mich große summe Geld zu verzichten um meine gesundheit zu bewahren.Der finanzielle Engpaß hat sich in jedenfall ausgeglichen, weil es mir viel besser geht und ich mich befreit fühle.Meine erwartung an meine Arbeitgeber ist in den fällen sehr berechtigt weil es um meine Menschenwürde geht ,das man mich gut behandelt und Ehrlich ist.So mit denke ich Kündigung ist in solchen fällen immer die richtige Entscheidung..

    Antworten
    1. Gudrun Maria Boehler 14. Juli 2013

      Die Arbeit mit kranken schwachen Menschen verlangt wirklich sehr viel Kraft.
      Mit ist es so ergangen, dass ich lange ausgehalten habe.
      Ich habe das 100% Prinzip angewendet ohne es zu wissen und vielleicht nicht die 100%.
      Und es ist gut gegangen ich habe ausgehalten.
      Doch plötzlich wollte ich nicht mehr. Ich hatte vorgesorgt und eine Ausbildung zum Coach und Trainer gemacht. Ich bin so dankbar.
      Auch für das wie sie zu mir waren, denn sonst wäre ich immer noch dort.
      Und würde versuchen es ihnen recht zu machen, auf meine Kosten.
      Das war mein Weg. 100% aber nicht mehr.

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